Frühjahrsreinigung

Frühjahrsreinigung

Staubwolken unterm Bett, Schubladen die überquellen, Kästen die nicht mehr verschließbar sind und Fenster, die das Leben draußen nur mehr erahnen lassen? Kommt Ihnen das bekannt vor? Wer vom Alltagsgefluse übermannt wird, der erleidet kein Einzelschicksal: Das Leben hat nun einmal seine unerfreulichen Begleiter, denen mit Durchschnitts-Durchs-Haus-Wedeln nicht mehr beizukommen ist und denen man sich wenigstens einmal im Jahr stellen muss. Darum unser Appell an all jene, die klar Schiff machen wollen: Starten Sie mit uns eine Säuberungsaktion der besonderen Art und freuen Sie sich des Lebens. Gehen Sie jetzt, wo das Jahr noch jung ist, ran an verstaubte Ecken, dreckige Fenster, ergraute Türen und haufenweise Gerümpel. Und vergessen Sie neben den Basics wie Türen, Betten, Küche und Schränke auch die Abstellkammer und den Keller nicht.

Neue Freiheit. Warum gilt das Putzen eigentlich als uncool? Der Grund dafür liegt möglicherweise darin, dass man viel zu wenig darüber spricht. Oder wissen Sie über das Putzverhalten Ihrer nächsten Freunde, Verwandten oder sonstigen Lieben Bescheid? Na eben, ein Tabuthema also. Wir alle haben es zwar gerne sauber, schön und unbeschwert und gestehen uns aber viel zu wenig ein, dass wir dahin nur über den persönlichen Einsatz mit Staubwedel, Sauger, Putzlappen & Mistsack kommen. Abgesehen von jenen natürlich, deren Perle Anna regelmäßig ins Haus kommt und für Ordnung und Sauberkeit sorgt. Diesen vermeintlich privilegierten Menschen entgeht aber die elementare Chance, die all die anderen Zeitgenossen haben: Das unbeschreibliche Feeling, das mit dem Entsorgen, Entrümpeln und Entstauben einhergeht. Das kraftstrotzende Gefühl von neuerlangter Freiheit im Schweiße des eigenen Angesichts. Damit wären wir gleich beim nächsten Vorteil, den so ein frühlingsfrisches Ordnungsverhalten vollautomatisch mit sich bringt: Körperliche Ertüchtigung zum Nulltarif, die jedes Fitnessstudio alt aussehen lässt.

Mutig & entschlossen. Wie für so vieles im Leben, braucht es auch für einen Reinigungs-Rundumschlag ganz dringend einen Plan. Wohlüberlegt, mit zeitlich unbedingtem Rahmen und mit einer seriösen Reihung der Prioritäten. Ob man nun für ein Wochenende abtaucht, seinen Freunden etwas von einem Wellness-Wochenende im 5-Sterne-Hotel vorflunkert, in Wahrheit aber daheim ans Eingemachte geht, oder ob man besagte Freunde dazu verdonnert, sich mit Besen, Essigreiniger und frohem Mut bei sich daheim einzufinden, ist egal: Der Weg ist das Ziel und dieser Weg muss entschlossen beschritten werden. Das Projekt "Frühjahrsputz" hat jedenfalls dann gute Chancen auf einen in relativ kurzer Zeit erreichbaren und zumindest 30 Tage anhaltenden Erfolg, wenn ein Plan dahintersteckt. Und je nach Persönlichkeit des Projektleiters kann so ein Inhouse-Teamwork auch gleich als Feldstudie in Sachen Führungs- und Verhaltensstile hergenommen werden. Doch das nur nebenbei. Wir wollen ja nicht zu streng sein. Es ist Platz für Kreativität, genauso wie für strukturiertes Projektmanagement aus dem Lehrbuch der Betriebswirtschaft. Hauptsache ist, dass das Ergebnis stimmt und man mit Feuereifer dabei ist.

Energie-Frage. Plan hin oder her, Struktur dort oder da - das Putzen und Entsorgen von Altlasten befreit auf jeden Fall. Und hier finden sich auch mannigfaltige Anregungen aus dem guten alten Feng-Shui, das auf seiner weiten Reise aus dem fernen China auch bei uns seine anregenden Spuren hinterlässt. Und da geht es um viel mehr, als um das Reinigen mit Wasser und Putzmittel, mit Staubsauger und Fensterwischer, da geht es auch um energetisches Saubermachen. Ausgangspunkt für alle Feng-Shui-Überlegungen ist das "Qi", die Lebensenergie, die uns umgibt. Berücksichtigt man bestimmte Prinzipien in der eigenen Umgebung, dann kann man laut Feng-dieses Qi positiv beeinflussen - was zu Gesundheit, Erfolg und Harmonie im Leben führt. Ein echter Widersacher dieser Harmonie ist zum Beispiel das Gerümpel, der viele Kram, der sich im Laufe eines Monats, eines Jahres, eines Lebens still und leise, dafür aber Raum füllend, daheim ansammelt. Wer es aber mit so manchem radikalen Entschluss schafft, im Außen für Ordnung zu sorgen, der wird das bald auch innen spüren: Die äußere Energie kommt in Fluss und nimmt auch die innere mit. Dass dem tatsächlich so ist, weiß jeder, der sich bereits einer ultimativen Reinigungsaktion unterzogen hat: Man fühlt sich einfach besser und trotz körperlicher Anstrengung so richtig energiegeladen.

Radikal durchgreifen. Für alle, die sich einfach unheimlich schwer von ihrem Kram trennen, hierein Entsorgungs-Schlachtplan: Es ist dem Qi nicht förderlich, wenn zu viele Dinge auf engem Raum angesammelt sind. Dinge, die man nicht braucht oder ganz einfach nicht gerne hat, tun auch nicht gut. Alles, was unvollendet herumliegt, stört die Harmonie. Und alles, was man innerhalb eines Jahres nie gebraucht hat, ist entsorgungsüberlegenswert. Ob das nun der Blazer aus dem Jahr 2000 ist, der vielleicht doch wieder einmal in Mode kommt, oder die Übersiedlungskiste aus dem Jahr 2003, die seither im Keller vor sich hin siecht und deren Inhalt im Leben anscheinend gar nicht fehlt, oder die Schulunterlagen aus dem Jahre Schnee, die man aus nostalgischen Gründen seit Jahrzehnten mit sich herumschleppt: Treffen Sie eine klare Entscheidung für Ihren Energiefluss und trennen Sie sich. Gute Anregungen rund um diese Angelegenheiten gibt es übrigens im Buch "Feng-Shui gegen das Gerümpel des Alltags" von Karen Kingston. Da wird die von der Autorin sogenannte "Krempelitis" auch von psychologischer Seite beleuchtet und bringt mit Sicherheit so manches Aha-Erlebnis.

Historische Betrachtung

Neben all den launigen Betrachtungen und den Anregungen aus dem Feng-Shui gibt es aber auch eine ernsthafte Geschichte der Frühjahrsreinigung aus europäischen Breitengraden: Denn die Putzattacke ist keine Erfindung neurotisch-penibler Hausfrauen, die den Sinn des Lebens in spiegelblankem Interieur gesucht haben, sondern war bereits im alten Rom bekannt. Von dort bzw. aus dem Lateinischen leitet sich auch der Monatsname Februar - der bis heute bei vielen den Funken für erste umfassende Putzüberlegungen zündet - her: "februare" heißt schlicht und einfach "reinigen". Parallel zur geschichtlichen Entwicklung haben auch die Biologen ein Wort mitzureden: Sie nehmen an, dass besonders im Frühjahr bei den Menschen der Trieb zum "Nestbauen" einsetzt und damit der Wunsch nach Sauberkeit und Ordnung im heimischen Nest aufkommt. Weiterentwickelt und bis heute anhaltend hat sich die Sitte aus einer Zeit, in der Häuser noch mit offenem Feuer oder später mit Kohle beheizt wurden. Da hatte sich nach der Heizperiode derart viel an Ruß und Staub in der Wohnung abgesetzt, dass dem nur allzu gerne mit einer gewaltigen Putzaktion zu Leibe gerückt wurde.

Richtig geputzt - 10 Tipps zum Saubermachen

  1. Der Frühjahrsputz braucht Zeit - also genug davon einplanen und die Aktion seriöserweise dann starten, wenn man nicht gerade im Stress ist.
  2. Etappenziele helfen - damit behält man die Übersicht und kann Teilerfolge feiern. Rom ist ja auch nicht an einem Tag erbaut worden!
  3. Startpunkt festlegen - am besten beginnt man in dem am häufigsten benutzten Raum und arbeitet sich systematisch weiter vor.
  4. Das richtige Werkzeug - damit dem Eifer keine unnötigen Grenzen gesetzt werden, die richtigen Utensilien bereithalten.
  5. Weniger ist mehr - der Frühjahrsputz muss nicht zur Chemikalienverseuchung führen. Also sparsam mit den Putzmitteln umgehen.
  6. Rechtzeitig aufhören - Putzen ist anstrengend. Also auf die Kräfte achten, hin und wieder eine gemütliche Kaffeepause einlegen und sich auch helfen lassen.
  7. Richtig entsorgen - alle Dinge, von denen man Abschied feiert, natürlich fachgerecht getrennt, außer Reichweite bringen.
  8. Wirtschaftlich denken - nicht alles muss in den Müll. So manches kann via eBay oder Flohmarkt verwertet werden.
  9. Als neues Motto gegen zu viel Kram kann man sich vornehmen: Für jedes neue Stück das ins Haus kommt, trenne ich mich von einem alten.
  10. Nach getaner Arbeit ist die Freude groß. Noch größer wird sie, wenn man sich zum Beispiel mit einem Strauß frischer Blumen belohnt.
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